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Lexikologie

Vorlesung 4. Allgemeines zur deutschen Wortbildung. Stellung der Wortbildungstheorie in der Sprachwissenschat

deutsch

Der Begriff der Wortbildung.Stellung der Wortbildungstheorie in der Sprachwissenschaft

Der Terminus „Wortbildung“ bezeichnet einerseits einen der Wege der Entwicklung des Wortschatzes (dabei einen recht produktiven Weg), andererseits die Wortstruktur. Das heißt, daß auch die Lehre von der Wortbildung zweihfach zu betrachten ist: Als Beschreibung der Prozesse, die der Entwicklung des Wortschatzes dienen (auch des Entwicklungsprozesses jedes einzelnen Wortes) und als Analyse der fertigen Wortstrukturen. Der erste Aspekt der Wortbildung wird jetzt oft als „prozessualer Aspekt“ bezeichnet, der zweite als „analytischer oder „statischer Aspekt“.

In allen Fällen erscheint die Wortbildung als Lehre von der Bedeutung und der Gestalt des Wortes in deren unterenbarer Verbindung. Die lexilalische Bedeutung des Wortes in seinem heutigen Zustand wie auch die semanitsche Prozesse, die mit seiner Entstehung verbunden sind, eröffen der Wortbildung eine St5ellung innerhalb der Lexikologie; der formelle Bestand des Wortes im prozessualen und statischen Aspekt, eine enge Verbindung dieses Bestandes mit dem grammatischen Bau der Sprache, wie auch eine strenge strukturelle Gezetsmäßigkeit aller Erscheinungen der Wortbildung lassen sie als Teil der Grammatik im engeren Sinne des Wortes betrachten. Gleichzeitig besitzen beide Seiten der Wortbilldung sowohl semantische, als auch strukturelle Eigentümlichkeiten, die sie als ein spetielles Gebiet der Sprache und demzufolge- die Wortbildungslehre als eine Sonderdisziplin der Sprachwissenschaft betrachten lassen. Diese dreifache Spezifik der Wortbildung hat die Entwicklung ihrer Theorie beinflußt.

In der klassischen deutschen Grammatik wird die Wortbildung als Teil der Grammatik behandelt. Dabei muß bemerkt werden, daß der Terminus „Grammatik“ in einem weiteren und in einem engeren Sinne verstanden wird. Im weitern Sinne ist die Grammatik fast als Synonym der Sprachwissenschaft im allgemeinen zu vertehen: Sie umfaßt nicht nur Morphologie (im Sinne der Flexion) und die Syntax, sondern auch die Lautlehre, die Sprachgeschichte. Als Beispiel solcher Auffassung kann das klassische Werk von H. Paul genannt werden: Seine „Deutsche Grammatik“ aus 5 Bände bestehend., umfaßt die „Geschichtliche Einteilung“, die „Lautlehre“, die „Flexionlehre“, die „Syntax“ und die „Wortbildungslehre“. Die Grammatik im eigentlichen, engeren Sinne des Wortes ist, wie oben gesagt, die lehre von dem morphologischen Bau der Sprache (im Sinne der Flexion, d.h. der grammatischen Abwandlung der Wortarten) und vom Satzbau. In den meisten Grammatiken der deutsche wie auch jeder anderen Sprache, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschien sind, wird die Wortbildungslehre als Teil der Grammatik im engeren Sinne des Wortes behandelt. Wie oben gesagt, hat die Wortbildung auch ihre eigene Spezifik, die sie sowohl von der Lexikologie als Lehre vom Wortschatz als auch von der Grammatik als Lehre vom grammatishen Bau der Sprache unterscheidet. Die Wortbildungslehre bezieht sich auf die Formierung und die Gestalt des Wortstammes und auf die strukturellen und semantischen Gesetze, die dabei mitwirken. Diese Gesetze sind durch Verallgemeinerung und Abstraktion gekennzeichnet, aber sie unterscheiden sich wesentlich von den Gesetzen der Flexions-und Satzlehre: Es handelt sich um weite lexikalische Kategorien, die von den einzelnen Wörtern abstrahiert sind, nicht um Beziehungen, die die Grundlage der grammatischen Kategorien bilden. Auch die Zahl der Wortbildungsmittel ist viel größer, und sie sind viel stärker differenziert im Vergleich zu den grammatischen Morphemen. Die Wortbildung ist ein System innerhalb des Makrosystems der Sprache. Als Lehrfach an den Sprachenhochschulen gehört die Wortbildung in der Regel zur Lexikologie, d.h zur allgemeinen Lehre vom Wort, was dadurch gerechtfertigt wird, daß ihr Gegenstand-das Wort als semantische und als strukturelle Einheit behandelt wird.

 Über die Grundlinien in der Wortbildungslehre in der Gegenwärtigen Deutschsprachigen Germanistik

Eines der Grundprinzipien der Sprachwissenschaft unserer Zeit ist eine scharfe Abgrenzung der Synchronie von der Diachronie. Das heißt durchaus nicht, daß die Geschichte der Sprache unterschätz wird: Sie ist und bleibt eines der wichtigsten Gebiete der Sprachforschung. Aber ihre Methoden dürfen nicht bei der Analyse der Sprache in ihrem gegenwärtigen Zustand verwendet werden. Mit der synchronen Betrachtung der Sprache ist die These verbunden, die Sprache bilde ein einheitliches System, dessen Elemente miteinander gesetzmäßig verbunden sind. Es muß auch betont werden, daß der heutiger Sprachforscher zur Explizitheit der von ihm angewandten Methoden strebt, zu einer objektiven Darstellung und Erklärung der sprachlichen Gesetze. Diese drei Grundprinzipien- Abgrenzung der Synchronie von der Diachroie, Betrachtung der Sprache als System, Explizitheit der Sprachanalyse-kennzeichnen auch die heutige Wortbildungslehre; sie sind typisch für die Werke der Germanisten unserer Zeit, unabhängig davon, zu welcher Richtung sie gehören- nur das Maß der Anwendung dieser Prinzipien ist bei den einzelnen Gelehrten unterschiedlich.

J. Grimm als Schöpfer und Vertreter der historisch-vergleichenden Richtung in der Sprachwissenschft und-später- die Junggrammatiker, in erster Linie H.Paul, haben die Wortbildung, wie es ihren Anschuungen entspricht, auf diachronie Art beschrieben. Die Wortbildung wird ausschließlich als Prozeß, als Weg der Erweiterung und Bereicherung des Wortschtzes behandelt, wobei auch das Endresultat, die Struktur der einzelnen Wörter in dem zu analysierenden Zustand der Sprache vom historischen Standpunkt aus behandelt wird. In der traditionellen Germanistik überwiegt die Tendenz, von den Einzelbelegen und nicht vom Ganzen auszugehend, d.h., daß es sich um synesthetische und nicht um analytische Verfahren handelt: Der Mangel an Systembetrachtung der Sprache wird in der modernen Sprachwissenschaft „Atomismus der Junggrammatiker“ genannt. Aus dem Gesagten hervorgeht, widersprechen die führenden Prinzipien der klassischen Theorie.so stehen einander gegenüber: scharfe Abgrenzung der Synchronie von der Diachronie-Verquickung der beiden Aspekte; Systembetrachtung der Sprache-synthetische Analyse der Eunzelerscheinungen; implizite Annahme der sprachlichen Erscheinungen-explizite Methoden der Sprachforschung. Dennoch spielen die Errungenschaften der traditionelle Wortbildungslehre bis heute eine bedeutende Rolle: nicht nur das von den Gelehrten des 19. und des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts gesammelte reiche Material, sondern auch die von ihnen benutzten Klassifikationen und Fachausdrücke (besonders aber manche theoretische Erwägungen und Schlußfolgerungen) beeinflussen- mehr oder weniger-die Forschungen der Linguisten der Gegenwart.

Die Wortbildungslehre in der Sowjetgermanistik

Die Wortbildungslehre ist eines der in der Sowjetgermanistik viel untersuchten Gebiete der Sprachwissenschft. In den frühenden Arbeiten erscheint sie als Sonderteik der Mophologie. Auch später werden manche Fragen der Wortbildung im Zusammengang mit der mophologischen Charakteristik der Wortatern geschidert. Gleichzeizig entwickelt sich eine immer deutlicher ausgeprägte Tendenz, die Wortbildung in die Lexikologie einzuschließen. Das Wort wird als Einheit von Inhalt und Struktur aufgefaßt, wobei der Inhalt von der Begriffsbildung nicht zu trennen ist. Dasselbe Prinzip gilt für die Wortbildungsstrukturen, die aber einen im Vergleich mit dem Wort unterschiedlichen Grad der Verallgemeinerung und Abstraktion zum Ausdruck bringen. Um es kurz zu fassen, kann die Wortbildungstheorie in der Sowjetgermanistik als eine „strukturell-semantische“ gekennzeichnet werden und zeigt dabei eine starke Neigung zur Expliziet und Objektivität der Analyse.

Es gibt auch die Probleme, die in der ausländischen Fachliteratur noch wenig beleuchtet sind wie z.B das Problem der „linguistischen Wahrscheinlichkeit“ («лингвистическая правдоподобность») bei der Realisierung der Wortbildungsmodelle, der intra und extralinguistischen Bedingungen, die dabei mitwirken.

Es können einige Grundfragen der Wortbildung genannt werden, an deren Lösung der Sowjetgermanisten besonders aktiv arbeiten:

  • Das Wesen der Zusammensetzung; ihre Funktion in der deutschen Gegenwartssprache und- speziel-ihre Verbindung mit der Syntax;
  • Die Bezihungen zwischen Zusammensetzung und affixer Abteilung und das Problem der „Halbaffixe“;
  • Die Beziehungen zwischen der Wortbildung und den semantischen Feldern;
  • Die „innere Valenz“ des Wortes und das Problem der Realisierung der Wortbildungmodelle.

Grundbegriffe der synchronen Wortbildungslehre

Der Unterschied zwischen der diachronen und der synchronen Wortbildungslehre wurde bereits erwähnt, ebenso wie der Unterschied zwischen dem prozessualen und dem statischen Aspekt der Wortanalyse. Für den prozessualen Aspekt ist die Produktivitäts-Unproduktivität der Wortbildungsstrukturen,d.h die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Entstehung neuer Wörter nach diesem Mustern- von Bedeutung. Bei der synchronen Analyse des Wortes sind folgende Beriffe von Bedeutung: der primäre und der sekundäre Stamm des Wortes, das Wortbildungsmittel, das Wortbildungsmodell, die Wortbildungsart. Der primäre und der sekundäre Stamm sind nicht im Sinne der Herkunft des Wortes zu verstehen, sonder vom Standpunkt seiner Struktur aus.

Об авторе

Натаров Илья

Натаров Илья

Родился 09 апреля 1980 года в городе Баку, в этом же году переехал в Запорожье.
В 2003 году закончил Запорожский Государственный Университет и получил диплом преподавателя немецкого языка и немецкой литературы.

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