Yandex
Übersetzungstheorie

Приложение 12

deutsch

Text 12

Ein Komponist in Berlin

Der Sammler Heinz Berggruen wurde 90

Mein Bild von Heinz Berggruen ist geprägt vom Privileg einer gewissen Nähe ebenso wie vom  völlig ungewisser Unnahbarkeit. Aus diesem Wechselspiel zwischen liebenswürdigster Nähe und nicht weniger liebenswürdigster Nähe und nicht weniger liebenswürdiger, aber uneiholbarer Ferne komponiert sich mein Bild von Heinz Berggruen als Rätselbild. In eben diesem Rätsel liegt ein Teil jener Faszination, die Berggruen auf uns alle ausübt.

Berliner von Geburt, Amerikaner aus Notwendigkeit und Franzose aus innersten Neigung, auch mit dieser Formel wird man Berggruen kaum gerecht. Denn wenig hat ihn so geprägt wie Amerika. Die Entdeckung der Bildenden Künste, die Entdeckung Paul Klees, ja die die Entdeckung Europas als dem Reich einer unstillbaren Sehnsucht, als das geschah bei Berggruen in Amerika. Von Paris aus, wo er seit 1947 zu seinem eigentlichen Beruf als Kunsthändler und seiner Berufung als Sammler fand, entdeckte er seit den 60er-Jahren die Vorzüge des American way of life.

Wer je beobachtet hat, wie unprätentiös sich  Berggruen mit den Besuchern seiner Sammlung in Berliner Stülerbau ins Gespräch begibt, bemerkt seine amerikanische Schulung. Wer zugleich wahrnimmt, mit welcher Distinktion er sich jeglicher Vertraulichkeit in Gespräch entziehen weiß, der spürt die Wurkungsmacht französischer Politesse. Und schließlich Berlin. 1914 in Wilmersdorf geboren und 1937 als jüdischer Bürger zur Emigration gezwungen, ist Berggruen mit den Berliner Westen bis in die Abfolge der Straßennamen noch heute weit besser vertraut als jeder Zugereiste. Das Paradies seiner Kindheit und Jugend in Berlin blieb ihm unauslöschbar. Diese Erinnerungen konstituiert Heimat, aus der man zwar vertrieben werden kann, die Heimat selbst aber, die Erinnerung an eben die vielen kleinen Dinge wie Namen, Töne, Gerüche, Gesichter, Straßen, Plätze oder Häuser, kann nach dem Bekenntnis Berggruens- frei nach Jean Paul- nicht aus den Menschen vertrieben werden.

Diese Bekenntnis zu Berlin war auch Thema jenes inzwischen legendären Dialogs zwischen Berggruen und Helmut Newton. Als dieser auf der Suche nach einem Ort für sein fotografisches Werk in der einstiegen Kunstbibliothek in der Jebenstraße aus dem Fenster auf die Gleise des Bahnhofs Zoo blickte, bemerkte Newton erstaunt; “Dort drüben bin ich im Dezember 1938 nach Singapur ausgewandert” Heinz Berggruen vollendete Newtons Bemerkung lakonisch: “Und jetzt bist du wieder hier.”

Mit Heinz Berggruen und durch ihn kehrt jener kosmopolitische Geist nach Berlin zurück, der diese Stadt bis in die Zwanziger- und beginnenden Dreißigerjahre auszeichnete. Berggruen in der illusionslos nüchterne und zugleich höchst gewinnende Bürger mehrere Welten, des alten wie des neuen Europa, dessen Impuls er besonders in Berlin zu spüren meint, jemand, der in der Vergangenheit entschieden für die Zukunft lebte und der auch in Zukunft die Vergangenheit nicht vergisst. Heinz Berggruen wird immer Heinz Berggruen. Stauend und dankbar erleben wird das Bild seiner Vollendung.

Об авторе

Натаров Илья

Натаров Илья

Родился 09 апреля 1980 года в городе Баку, в этом же году переехал в Запорожье.
В 2003 году закончил Запорожский Государственный Университет и получил диплом преподавателя немецкого языка и немецкой литературы.

Комментировать

Нажмите, чтобы комментировать