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Übersetzungstheorie

Приложение 16

deutsch

Text 16

Verleihung der Goethe-Medaile in Weimar

Laudatio auf Imre Kertesz

Ich bin kein Literaturexperte und würde mich scheuen, dem Wert eines Werkes der schönen Literatur öffentlich zu analysieren. Vor den Entscheidungen des Nobelpreiskomitees verbeuge ich mich jedoch ehrfurchtsvoll. Infolge dessen werde ich nicht wagen, den literarischen Wert des Lebenswerk des Nobelpreisträger für Literatur Imre Kertez zu loben. Der ist für mich selbstverständlich. Der erste Nobelpreisträger für Literatur aus Ungarn, der Heimat vieler großer Schriftsteller, der von ungarischen Rezensenten als der größte ungarische Schriftsteller überhaupt bezeichnet wird, braucht mein Lob nicht. Mich bewegt die Botschaft, die Imre Kertez übermittelt. Mich bewegt das Schicksal des Verfasser des Romans eines Schicksallosen”, der selber am einem für Deutschland schicksalhaften Tag, am 9. November, geboren ist. Mich bewegt seine Lebensgeschichte, seine Entfaltung und die Entfaltung seines Werks.

In Würdigung seines literarischen Werkes, des neuen und erschreckenden Blicks, den er auf den Holocaust wift, wird Imre Kertesz heute in der Stadt, in der Johann Wolfgang von Goethe den größten Teil senes Lebens verbracht hat, mit der Goethe-Medaile geehrt. Als ich mich mit  Imre Kertesz Lebensgeschichte beschäftigt habe, habe ich Übereinstimmungen mit dem Leben Goethes gesucht. Die Lebensläufe der beiden großen Männer sind gewiss nicht vergleichbar, die Lebensbedingungen noch weniger; um so mehr aber die gestige Entwicklung und die Botschft, die beide uns, wenn auch  in ganz verschiedenen Worten und aus ganz verschiedenen Richtugen, vermittel wollen. Wie Goethe verstehen Sie Imre Kertesz, das Leben als Schaffen, und wie er appelieren Sie unaufhörlich an die Menschlichkeit. Zwar hängt über den Werken “Galeerentagenbuch”. “Ich ein anderer”, “Kaddisch” für ein nicht geborenes Kind”, “Der Spurensucher” und vor allem “Roman eines Schicksallosen”, die Sinnlosigkeit des Lebens, aber auch die Auflehnung dagegen trotz des Bewusstseins der Wikunglosigkeit. Doch darüber schwebt trotz allem Goethes Wort: Alle menschlichen Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit”. Ist das nicht genau das, was Sie, Imre Kertesz, zum Abschluß Ihrer Danksrede anlässlich der Entgegennahme des Nobelspreises am 10. Dezember 2002 gesagt haben.

Avi Primor

Dankwort

Im Jahr 1962 iwar es mir gelungen, mit einem Einladungsschreiben und zahllosen anderen Papieren ausgerüstet, nach Ostdeutschland in die damalige DDR zu reisen. Ich arbeitete damals gerade an einem Roman, könnte ich sagen, aber was heißt das. Keinesfalls heißt das, dass ich in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch saß und mit sinneder Minne hin und wieder den einen oder anderer Satz zu Papier gebrach hätte. Aber dabei spielt der Umstand, dass ich weder ein Arbeitszimmer noch einen Schreibtisch besaß, die geringste Rolle. Um es kurz zu machen, ich wollte einige frühere Schuplätze meines Lebens aufsuchen, das oberhalb Weimars gelegende ehemaligen Konzentrationslager Buchennwald sowie ein Städtchen namens Zeits, von deren Wiedersehen ich mir allein schon im Interesse meines gerade entstehenden Romans viel versprach.

Denn, damit er dauert, braucht der Schmerz seine Requisiten. Sowie die Leidenschfaften, verkommt auch er ohne lebende Objekt. Ich hatte solche Requisiten in Form von Bildern in mir bewahrt und wenn ich sie mit der erforderlich Interesität wachrief, entflammten sie mitunter die lebendigen Empfindungen. Doch, was war das wirklich für eine Empfindung? Nun das war das Geheimnis. Diesem Misterium wollte ich nachspüren. Eines meiner Bilder zum Beispiel: Ich sitze in eine Deecke gehüllt im Frühjahr 1945 auf dem tragbaren Abort, der vor der Krankenhausbaracke von Buchenwald aufgestellt war, ganz so wie der Herzog von Wondom, als er der Bischof von Parma emfing. Mein Kiefer bearbeitete ein amerikanisches Kaugummi. Mein Blick schweift gelangweilt umher zwischen den Typhusbaracken gegenüber und den etwas entfernteren, noch offnen Massengräbern in denen mit Löschkalk übergesossene Leichen, die Holzscheite liegen. Plötzlich werde ich auf eine unglaubliche Szene aufmerksam. Vom Hügel her nähert sich ein Gesellschaft von Dammen und Herren. Röcke flattern im Wind. Feierliche Damenhüte, dunkle Anzüge. Hinter Gesellschaft einige amerikanische Uniformen. Sie erreiche n das Massengrab, verstummen, stellen sich langsam um das Grab herum auf. Die Herrenhüte werden einer nach dem anderen abgenommen. Taschentüchter werden hervorgeholt, ein, zwei Minuten stumme Bewegunglosigkeit. Dann kommt wieder Leben in das erstarrte Gruppenbild. Die Köpfe werden sich den amerikanischen Offizieren zu, die Arme wereden erhoben und beteuernd ausgebreitet, fallen wieder am Körper zurück, werden von neuem erhoben. Die Köpfe werden verneinend geschüttelt. Überflüssig zu erfahren, auf Befehl der amerikanischen Kommandanten sind die prominente Weimarer Bürger ins Lager geführt worden, damit sie sähen, was dort in ihrem Namen begangen wurde. Ich verstehe das stumme Schauspiel auch so. Sie wussten gar nichts, niemand wusste irgend etwas.

Doch was soll ich mit diesem Bild angefangen? Wenn man so will, ist es geeignet, als moralisches Urteil gefasst zu werden. Das jedoch ist nicht die Wahrheit dieser Szene. Die Empörung ist eine Reflexion, ein gekünsteltes Gefühl also, nur dazu gut, den viel schärferen Geschmak jenes ursprügnlichen Augenblicks zu löschen. Die Kunst jedoch, das begriff ich rasch, ist nicht dazu da, Menschen zu verurteilen, sondern den Augenblick neu zu erschaffen. Und in dieser Hinsicht sind die Bilder des Schmerzes gerade so viel wert, wie die des wolkenlosen Glücks. Nur hatte ich dabei den Fehler begangen zu glauben, die Vergangenheit sei wieder erlebarr. Wäre es so gewesen, dann hätte ich die Zeit und das allen Menschen auferlegte Gesetz des Lebens besiegt. Sicher, aber nicht einen Roman geschrieben.

Denn die Existenzgrundlage des Romans ist gerade die verlorene Zeit. Die Tatsache, dass wir den Gegenstand unserer Erinnerungen, unserem einstiegen Ich in Wirklichkeit nicht wieder begenewedern können. Ich bin als als ein Fremder über fremde Schauplätze geirrt. Habe weder draußen etwas gefunden noch innen etwas gefühlt. Da begriff ich, was man gemeinhin als Vergänglichkeit bezeichnet. Und wie teuer mir das, was mir durch sie verloren zu gehen drohte. Ich verstand, wenn ich gegen mein vergängliches Ich und die ständige Wandelbarkeit der Schauplätze ankämpfen wollte, musste ich mir, mich auf mein schöpferisches Gedächtnis verlassend, alles von neuem erschaffen.

Imre Kertesz

Об авторе

Натаров Илья

Натаров Илья

Родился 09 апреля 1980 года в городе Баку, в этом же году переехал в Запорожье.
В 2003 году закончил Запорожский Государственный Университет и получил диплом преподавателя немецкого языка и немецкой литературы.

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