Yandex
Lexikologie

Vorlesung 6 Das Problem der linguistischen Wahrscheinlichkeit und die Realisierung der Wortbildungsmodelle in der deutschen Gegenwartssprache

deutsch

1. Allegemeines zum Problem der linguistischen Wahrscheinlichkeit

Bekanntlich versteht man in der Philosophie unter “Wahrscheinlichkeit” das Maß der Möglichkeit eines Geschehens, das eintreten kann bzw. nicht kann, mit anderen Worten-das Maß der Möglichkeit bei ihrer Verwandlung in die Wirklichkeit. Die linguistische Wahrscheinlichkeit kann folgenderweise näher definiert werden:  Es ist eine den Grad der Möglichkeit kennzeichnende “Größe”, die es gestattet, die Verwandlung der sprachlichen Gesetzmäßigkeiten in sprachliche Realität zu verfolgen. Es handelt sich um bestimmte Beobachtungen, die die Produktivität und die Frequenz der einzelnen sprachlichen Erscheinungen festestellen: je zahlreiche und objektivier solche Beobachtungen sind, desto fester ist die Überzeugung, daß diese Erscheinungen in der Sprache eine größere oder kleinere Rolle spielen. Die linguistischen Gesetzmäßigkeiten lassen sich auf den verschiedenen Gebieten der Sprache am objektivsten festestellen, wenn statistische Methoden verwendet werden, und zwar auf Grund der Wahrscheinlichkeitstheorie. Die Linguistik stütz sich hier auf die Mathematik. Eingehende Beobachtungen ohne mathematische Verfahren führen oft ebenfalls zu interessanten und wichtigen Ergebnissen. Dabein handelt es sich immer um zweierlei Möglichkeiten. Erstens können die Gesetzmäßigkeiten der Sprache festgestellt werden, die für ihr Funktionieren im statstischen Plan von Bedeutung sind: so können wir erwarten, daß nach einen Phonem, Morphem oder einem Wort als Ganzheit unter bestimmten vorbedingungen bestimmte Phoneme, Morpheme oder Wörter erscheinen können. Die linguitische Wahrscheinlichkeit in der Wortbildung bestimmt, auf welche Weise die Wörter einer Sprache entstanden sind, welche Tendenzen daabei mitwirken, wie neue Wörter gebildet werden können. Dabei sind hier intra- und extralinguistische Vorbedingungen zu unterscheiden. Die intralinguistischen Vorbeibedingungen finden ihren Ausdruck: a) im Vorhandensein bestimmter Wortbildungsmodelle (für den statischen Aspekt ist die Frequenz der Modelle, für den prozessualen ihre Produktivität oder bloß ihre Aktivität, auch ihre mögliche Variierung von Bedeutung), b) in der sogennanten “inneren Valenz. Die extralinguistischen Vorbedingungen bestehen: a) in der Wahl der Wortbildungsmodelle, b) in dem Bedürfnis, neue Wörter zu bilden, wobei die Wahl der Wortbildungsmodelle auch von Bedeutung ist, c) in der semantischen Kongruenz (in der semantischen Valenz) der UK, insofern sie die extralinguistischen Faktoren wiederspiegelt. Wie unten gezeigt wird, hängen die extralinguistischen Vorbedingungen der Realisierung der Wortbildungsmodelle teilweise mit den sitlistischen Faktoren zusammen.

2. Die innere Valenz des Wortes und die intralinguistischen Vorbedungungen der Realisierung der Wortbildungsmodelle

a) Allgemeine zum Problem der “inneren Valenz”

Die  Wortbildungsmodelle der deutschen Gegenwartssprache wurden bereits erwähnt und kurz beschrieben. Was ihre Frequenz angeht, so bedarf diese Frage einer speziellen Untersuchung, unter Anwendung der statischen Methode, auch ist sie für die Wortbildungstheorie weniger relevant als die Frage ihrer Füllung, td. h. der “innreren Valenz” des Wortes- was den Inhalt dieses Abschnites ausmacht. Der Begriff Valenz spielelt eine bedeutende Rolle in der modernen Sprachwissenschaft. Es handelt sich um die Möglichkeit eine sprachliche Einheit mit anderen spirachlichen Einheiten zu verbinden. In der ausländischen Linguistik beginnt eine ausführliche Beleuchtung der Valenztheorie um die Mitte unseres Jahrhunderts und zwar mit den Arbeiten des französischen Linguisten L. Tesniere. Ihm folgen der französische Germanist J. Fourquet und eine Reihe deutscher Sprachforscher. In all diesen Arbeiten handelt es sich um die Valenz des Verbs, das als Zentrum des Satzes behandelt wird, von dem alle übrigen “Mitspieler” (einschließlich dem Subjekt) abhängig sind: die Valenztheorie kreuzt sich mit der verbozentrischen Theorie des Satzes. In den letzten Jahren beginnen die ausländischen Linguisten sich mit anderen Gebieten der Valenz zu befassen, und zwar mit der Valenz anderen Wortarten.

In der Sowjetlinguistik entwickelt sich die Valenztheorie auf einen weiteren Gebiet. Von besonderer Bedeutung sind die Arbeiten von W.G. Admoni, der zwar den Ausdruck “Valenz” meidet (er gebraucht im Russischen den Terminus “sotschetajemostj”, im Deutschhen die Termini “Fügungswert” und “Fügungspotenz”), die betreffende Erscheinung aber gründlich behandelt, und zwar in bezug auf verschiedene Wortarten. Dabei zeigt er die enge Verbindung der Syntax mit der lexikalischen Semantik. L.R. Zinder verbindet die Gesetzmäßigkeiten der Wortfügungen im  Satz mit der linguistischen Wahrscheinlichkeit und unterscheidet dabei linguistische und extralinguistische Faktoren. B.A. Abramov analysiert in mehreren Arbeiten die Valenz der Wortarten als quantitative Erscheinung und ihre “Selektionsfähigkeit” vom Standpunkt der Semantik.

Die “innere Valenz” des Wortes kann als Gesamtheit von Gesetzmäßigkeiten der Zusammenfügung vom Wortsegmenten miteinander definiert werden: Dabei handelt es sich nicht um lexilalische Morpheme, sonder um “unmittelbare” bzw maximale Konstituenten des exikalischen Wortstammes, die wie oben gesagt, nur in einfachsten Fällen mit Morphemen zusammenfallen. Die Füllung der Modelle mit primären Stämmen, die sich innerhalb des gesammten (sekundären) Stammmes der fertigen Ganzheit aussondern lassen. Die innere Valenz hat zwei Berührungspunkte mit der “äußeren” Valenz, weist aber auch prinzipielle Unterschiede auf. Die Berührungspunkte bvon estehen darin, daß beide Arten von Valenz sich als linguistische Realisierungbedingungen des Kommunikationsprozesses sowohl von formeller als auch von inhaltlicher (semantischer Seite untersuchen lassen, d.h daß die linguistische Wahrschheinlichkeit in beiden Fällen mit den zwei Grundaspekten der Sprache verbunden ist.

b) “Formalle” Gesetzmäßigkeiten der inneren Valenz

Die formellen Gesetzmäßigkeiten der Füllung der Wortbildungsmodelle lassen sich in phonetische, strukturelle, morphologische und genetische einteilen. Die phonetische Gesetzmäßigkeiten warten auf spezieelle Untersuchung. Es gibt in der Fachliteratur nur einzelne Hinweise auf die Besonderheit der phonetischen Verbindung einiger Suffixvarianten oder suffixalen Synonyme im Zusamenhang mit dem Auslaut vorgehenden UK. Der Gebrauch der Bindeelemente vom Standpunkt der Lautgesetze aus ist der phonetischen Struktur der Komposita als Ganzheiten verbunden, nicht aber mit den unmittelbaren Gesetzmäßigkeiten der Zusammenfügung ihrer UK. Um der phonetischen innreren Valenz der Komposita Rechnung zu tragen, wären die Beobachtungen von P. Menzerath heranzuziehen, der die Beziehungen zwischen Silben- und Lautzahl festgestellt hat. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob die Beobachtungen von P. Menzerath bei der Ableitung und Zusammensetzung algemeingültig sind; wäre es der Fall, so sollte man die in der Fachliteratur vorherrschende Meinung wiederlegen, die Bildung der Komposita im Deutschen sei von Seiten der Struktur unbegrenzt.

Die strukturelle innere Valenz hängt davon ab, welche Wortbildungsstruktur die primären Stämme haben können. Selbstverständlich handelt es sich hier nur um bestimmte Tendenze, denn die Analyse der Ableitungen und Zusammensetzungen zeigt, daß ihre UK verschiedene Struktur haben können. Dennnoch darf man vermuten: je einfacher die Struktur des Wortstammes ist, desto eher ist seine Teilnahme an der Ableitung und Zusammmensetzung möglich, diese Tendenz scheint mit dem Gesetz von Menzerath teilweise verbunden zu sein. 

Die morphologische innere Valenz (d.h die Einfügung primärer Stämme entsprechend den verschidenen Wortarten) läßt sich leicht auf Grund der üblichen, unsa bekannten Gesetzmäßigkeiten feststellen. Für die determinativen Zusammensetzungen gilt eine allgemeine Regel: Die zweite UK bestimmt die Wortart, zu der das Kompositum gehört; in der Funktion der ertsen UK können die Stämme (Wortformen) verschiedener Worrtarten sein.

c) Die semantische innere Valenz

Das am schwersten zu lösende Problem der inneren Valenz ist ihre semantische Seite, d.h die Gesetzmäßigkeit der semantischen Kongruenz, die die Zusammenfügung der UK innerhalb des Wortstammes bedingungen. Diese Gesetzmäßigkeiten sind mit mehreren Faktotoren verbunden, nicht nurr linguistischer, sondern auch extralinguistischer und situationbestimmter Natur. Dabei sind zu unterscheiden: die innere Valenz der Komposita und die innere Valenz der Ableitungen.

Die innere semanitsche Valenz der Komposita kann teilweise mit der äußeren Valenz der Wörter vergleichen werden (denn auch hier handelt es sich um die Wortbedetung), teilweise weist sie aber spezifische Züge auf: Sie hängt von den semantischen Besonderheiten der Komposition ab. Um diese Besonderheiten Rechnung zu tragen, teilen wir die Komposita, vom Standpunkt der Semantik, in vier Hauptgruppen ein (was Grenzfälle und Berührungpunkt zwischen der Gruppen nicht ausschließt).

Zur ersten Gruppe gehören Komposita, deren Motivation vollständig verdunkelt ist, wie Junggeselle, Ohrfeige, Helfershelfer, Fraauenzimmer. Solche Komposita lassen sich ganz formel in Wortfügungen tansformieren: junger Geselle, was aber weder ihre Bedeutung noch ihre Motivation erschließt. Sie weisen  eigentlich keine innere semantische Valenz auf können von diesem Staandpunkt aus dem Wurzelwörtern gleichgestellt werden. Die zweite Gruppe, die der ertsen nahesteht, vereinigt idiomatische Komposite, deren Motivation auf Grund einer metaphorischen Übertragung erschlossen werden kann: Die Übertragung betrifft entweder das Ganze oder nur eine UK, z.B Zaungast, Langfinger, Blinddarm. Wie die Beispiele zeigen, gehören solche Komposita zu verschiedenen Wortarten und Kompositionstypen: die meisten weisen auf metaphorischen Übertragung hin.

Об авторе

Натаров Илья

Натаров Илья

Родился 09 апреля 1980 года в городе Баку, в этом же году переехал в Запорожье.
В 2003 году закончил Запорожский Государственный Университет и получил диплом преподавателя немецкого языка и немецкой литературы.

Комментировать

Нажмите, чтобы комментировать