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Lexikologie

Vorlesung 3. Erweiterung Des Wortbestandes

deutsch

Allgemeine Charakteristik der wichtigsten Prozesse der Wortschatzerweiterung

Die synchrone Betrachtung des Wortbestandes in der Lexilologie einer Gegenwartssprache schließt die Diachronie nicht aus. Prozesse, die das Werden der Wörter bedingen und die jewilige Struktur desWortschatzes bestimen, dürfen nicht außer acht gelassen werden. Aus dem Wesen einer natürlichen Sprache als soziales Phänomen geht hervor, daß sie, und in erster Linie ihr Wortschatz, sich in ständiger Entwicklung beginden: einige Wörter verschwinden, neue Wörter kommen auf infolge des unmittelbaren zusammenhanges zwischen der Sprache und den verschiedenen Gebieten des menschlichen Lebens und der menschlichen Tätigkeit;auch die bereits vorhandenen Wörter sind als Ergebnis von komplizierten Prozessen außer-und innersprachlicher Art zu betrachten. Heute werden neue Wörter in der Regel auf der Basis des Sprachen entlehnt. Deshalb erschinen als wichtige Wege der Wortschatzerweiterung: Die Wortbidung (in ihrem prozessualen Sinn), der Bedeutungswandel, die Entlehnung.

Die Wortbildung , d.h. die Entstehung neuer Wörter aus den in der Sprache vorhandenen Wortstämmen nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten, nimmt im System der Sprachwissenschaft eine spezifische Stellung ein, nicht nur wegen ihrer Produktivität und der komplizierten Faktoren, die dabei mitwirken, sondern auch deswegen, weil sie gleichzeitig als Prozeß und als Resultat der Wortschatzentwicklung zu betrachten ist.Der Wortbestand wird außerdem durch den Bedeutungswandel vermehrt. Bei diesem Prozeß werden die Formative der bereits fungierenden Lexeme zur Benennung neuer Begriffe durch Bezeichnungübertragung oder –verschiebung ausgewertet. Verschiedene Arten des Bedeutungswandels als Quelle der Wortschatzerweiterung sowie der Mehrdeutigkeit und Synonymie spielen bei der lexikalischen Analyse der Sprache eine große Rolle.

Der dritte Weg der Entwicklung des Wortschatzes – die Entlehnung fremden Wortgutes-dient gleichzeitig als Grundlage einer Einteilung der in der Sprache fungierenden Wörter vom Standpunkt ihrer etymologischen, formellen undsemantischen Besonderheiten. Sowohl der Bedeutungswandel als auch die Entlehnung werden in speziellen Abschnitten eingehend behandelt. Zum Unterschied von der Entwicklung des Wortschatzes aufgrund der bereits vorhandenen geimischen oder fremden Lexeme entsteht die sogennenten schallnachahmend Wörter durch Nachahmung der Laute, die Lebenswesen, Maschinen erzeugen, oder die mit Naturerscheinungen verbunden sind. Über die Natur der schallnachahmenden Wörter gibt es entgegengesetzte Meinungen. So werden sie als Resultat der Wortschöpfung betrachtet oder als die durch Schallnachahmung unmittelbar motivierten Bildungen.

Die Schallnachahmung ist auch in der Gegewartssprache ein potentieler Weg der Wortschatzerweiterung, spielt aber im Vergleich zu der Wortbildung, Entlehnung und dem Bedeutungswandel eine geringe Rolle, denn die Zahl der schallnachahmenden Wörter blebt recht beschränkt.

Der Bedeutungswandel

Allgemeines

Unter Bedeutungswandel versteht man Bedeutungsveränderung der Wörter, die im Laufe der Zeit bei diesen sprachlichen Zeichen einstellt, bedingt durch Wesen und Charakter der Sprache als gesellschaftliche Phänomen. Der Bedetungawandel tritt erstens, den die Gegenstände und Erscheinungen der Wirklichkeit befinden sich im Zustand dauernder Veränderung. Aber außer diesem Bedetungswandel gibt es auch Veränderlichkeit der Bedeutung einer anderen, viel komplizierten Art, was aus der Analyse alter Sprachdenkmäler besonders deutlich hervorgeht.Die Erweiterung des Bedeutungsgefüge eines Lexems geschieht vielfach, indem dasselbe Formativ zur Bezeichnung nicht nur neuer Sachverhalte verwendet wird, sondern auch zur Schaffung expressiver, stilistisch markiert Synonyme zu bestehenden Lexemen. Der Bedeutungswandel kann also zur Wortschtzerweiterung führen. Das Wort ist ein linguistischen Zeichen, das mehrere Bedeutungen bzw. Semen oder lexikalisch-semantische Varianten haben kann.

a) Die Ursache des Bedetungswandels

Die Ursachen des Bedetungswandels waren der wichtigste Forschungsgegenstand der traditionellen Semasiologie. Der Ursachen oder Gründe des Bedeutungswandel werden gewöhnlich eingeteilt in:

  • außersprachliche oder extralinguistische Ursachen,
  • sprachliche oder intralinguistische Ursachen.

Unter den wichtigsten Extra-und intralinguistischen Gründen oder Ursachen sind zu nennen:

Die gesellschaftliche Entwicklung mit all ihren vielseitigen Aspekten, die fortwährend neue (zum Teil durch bestehende Formative ausgedrückte) Begriffe entstehen läßt.

Der Sachwandel, der in den konventionellen sprachlichen Zeichen ebenfalls den Bedeutungswandel hervorruft.

Die Wechselbeziehung zwischen dem Allgemeinwortschatz unf Fach-und Sonderwortschätzen: Spezialisierung der Bedeutung beim Wechsel eines Wortes aus der Allgemeinsprache in die Gruppensprache, Generalisierung oder Verallgemeinerung der Bedeutung beim Wechsel eines Wortes aus der Berufssprache in die Allgemeinsprache.

Das Ziel der sprachlichen Tätigkeit, wo auszusondern sind: 1) das Streben nach Ausdrucksverstärkerung oder der Affekt; 2) das Streben nach Ausdrucksabschwächung oder Euphemismen.

b) Die Arten des Bedeutungswandels

Die Untersuchng der Arten des Bdeutungswandels und ihre Klassifizierung ist vielleicht das älteste Anliegen der Semasiologie. Die wichtigsten Klassifikationen sind die logische und die psychologische Klassifikation.

Die logische Klassifilation unterscheidet drei arten des Bedeutungswandels: Bedeutungserweiterung; Bedeutungsverengung; Bedeutungsübertragung und –verschiebung.

Die Bedeutungserweiterung meint die Erweiterung des Bedeutungsumfanges eines Wortes nach dem Prozeß des Bedetungswandels. Der paralle Terminus für die Bedeutungserweiterung ist die Generalisierung der Bedeutung.

Bei der Bedeutungserweiterung handelt es sich also um die Bedeutungsentwicklung vom Konkreten zum Abstarakten, vom Einzelnen zum Allgemeinen. Die Bedeutungserweiterung ist oft eine Begleitererscheinung des Übergangs der Wörter aus einem fachsprachlichen Milieu in die Allgemeinsprache.

Die Bedeutungsverengung ist das Gegenteil der Bedeutungserweiterung. Der Vorgang der Bedeutungsverengung besteht darin, daß ein Wort mit einem ursprünglich weiten Bedeutungsumfang später nur noch einen Teil des ursprünglichen Anwendungsbereichs aufweist. Der parallele Terminus für die Bedeutungsverengung ist die Spezialisierung der Bedeutungs.

Die Bedeutungsübertragung. Das Wesen der Bedeutungsübertragung beruht auf einem Vergleich.Neue Sachverhalte, d.h. neue Erscheinungen weden mit bereits bestehenden Wortkörpern oder Formativen aufgrund einer Ähnlichkeit, Assoziation benannt.

Je nach den Assoziationen können sich die Arten der Bedeutungsübertragung unterscheiden: die Assoziation kann auf einer

Ähnlichkeit und auf einer unmittelbaren Beziehung in Zeit, Raum usw beruhren. Ähnlichkeit (Vergleich) zwischen zwei Begriffen ergibt die Metapher , eine unmittelbare Beziehung zwischen zwei Begriffen ergibt die Metonymie.

Metapher. Die Metapher ist die Übertragung der Namebezeichnung aufgrund einer (äußeren und inneren Ähnlichkeit). Das Resultat der Metaphorischen Übertragung- die übertragenne Bedeutung-ist nicht unbedingt eine Nebenbedeutung in der semantischen Strucktur eines Lexems. Es sind auch Fälle bekannt, wo die Sekundärbedeutung zur Hauptbedeutung geworden.

Die Metaphern sind polyfunktional. Sie lönnen eine rein benenennde Gunktion erfüllen undeine wertende oft abwertende Funktion.

Die benennende und wertenden oder charakterisierenden Metaphern gehören zum lexikalisch-semantischen System. Sie sind in jeder Sprachgemeischaft wohl bekannt und grläufig, was zum Teil auch in ihrer Bezeichnung Gebrauchsmetaphern angedeutet ist.

Eine Sonderart der Metapher ist die Synästhesie, die Übertragung von einem Sinnesbereich auf den anderen. Wörter werden aus dem Bereich eines Sinnes oder einer Gefühlsempfindung in den Bereich einer anderen Sinnesempfindung übertragung, z.B von akusitscher zu optischer Wahrnehmung: schreinde Farben, von optischer zu akustischer Wahrnehmung: dunkle Töne, helle Stimme Metonymie. Die Metonyme ist auch eine Art Bezeichnungübertragung aufgrund mannigfaltiger Bedeutungsbeziehungen. Diese sind räumlicher, zeitlicher, ursächlicher Art, Beziehungen zwischen Handlung und Resultat der Handlung, Mittel und Werkzeug der Handlung.

Der Bedeutungswandel und das lexikalisch-semantische System

Die Entwicklung einer neuen Bedeutung in der semantishen Struktur eines Lexems, Prozesse, die Regelmäßigkeit in der semantischen Entwicklung herbeiführen, sind Forschungsobjekte, die erst in der modernen Linguistik in Angriff genommen werden. Eine Voraussetzungen zur Feststellung der Regelmäßigkeit in der semantischen Entwicklung ist die Betrachtung der Lexik als System.

Die Systemhaftigkeit in der Lexik entsteht dadurch, daß der Wortbestand eine Struktur bildet, d.h eine geordnete Schichtung in semantisch-grammatische und funktionale Klassen, die die gesellsxhaftliche Kommunikation gewährleistet. Demnach wird die Entwicklung der Wörter (ihre Formative und Sememe oder Bedeutungen) ständig von der jeweiligen Anordnung der Lexeme in den verschiedenen lexisch-semantischen Gruppen bzw Wortfeldern und von ihren Wechselbeziehungen innerhalb dieser Gebilde bestimmt und geregelt. Lexeme, die aufgrund ihrer semantischen Beschaffenheit lexische Mikrostrukturen bilden, offenbaren in ihren Entwicklung bestimmte Regelmäßigkeiten oder Gesetzmäßigkeiten. In diesem Zusammenhang besteht auch die Möglichkeit, ein in der semasiologischen Fachliteratur viel umstrittenes Problem wider anzuscheidenen, nämlich, ob man in der semantischen Entwicklung überhaupt von Gesetzmäßigkeit sprechen darf. Eine solche Gesetzmäßigkeit wurde in der Fachliteratur festgestellt. Sie wird bei verschidenen Sprachforschern unterschiedlich bezeichnet, das Wesen aber läßt eine allgemeine oder generelle Tendenz konzipieren. Diese Gesetzmäßigkeit wurde shon in der älteren Semasiologie im ausgehende 19. Jh. von Karl Schmidt Deutlichkeitstrieb genannt. Eine ähnliche Feststellung wurde in der sowjetischen Germanistik gemacht. Die Analyse der Bedetungsentwicklung vieler Wörter ließ folgendes erkennen: Die Entwicklung der Polysemie, eine Erscheinung, die selbst eine semantische Gesetzmäßigkeit darstellt (denn die meisten Vollwörter einer entwickelten Sprache sind polysem), wird im System der Sprache regelmäßig von einem entgegengesetztten Prozeß begleitet- der Neutralisierung oder Aufhebung der lexikalisch-semantischen Varianten durch Synonyme.

Entlehnung

Allgemeines

Die Entlehnung der Lexik aus einer Sprache in die andere gehört zu den gesetzmäßigen Folgen der sprachlichen Kontakte, die es in der Entwicklungsgeschichte einer jeden Sprache gibt. Unter dem Terminus „Entlehnung“ versteht man in der einschlägigen Literatur sowohl den Entlehnungsvorgang, d.h. die Übernahme fremden Sprachgutes, als auch das Resultat dieses Prozesses- das entlehnte fremde Sprachgut sebst. In der lexikologischen Forschung sind Lexeme oder lexikalische Entlehnungen Objekte der Analyse.

Von den vielen Aspekten, die eine moderne Forschung zu diesem Fragenkoplex voraussetzt, ist aus der synchronen Sicht vor allem das Problem zu erhelen, wie bedeutend der Beitrag des entlehnten Sprachgutes im lexikalisch-semantischen System ist und wie die entlehnte Lexik in diesem lexikalisch-semanitschen System fungiert. Die Betrachtung des Wortschatzes als System, die Präzisierung des Begriffs „das lexikalisch-semantische System“ erwiesen sich auch für die Erforschung von Entlehnungen als äußerst fördernd. Es sind nun neue Aspektebei der Analyse des entlehnten Wortschatzesin den Vordergrund gerückt, in ersterLinie die Wechselbeziehung zwischen Stammwörtern und Entlehnungen.

In der sowjetischen Linguistik allgemein und in der sowjetischen Germanistik insbesondere erschienen Arbeiten, die erstmalig eine adäquate Erklärung der zwischensprachlichen Homonyme boten. Ferner wurde die semantische Assimilition der entkehnungen im Deutschen als zweiseitiger Prozeß identifiziert: als Einwikung des deutschen lexikalisch-semantischen Systems auf entlehnte Lexeme einerseits und als Einwikung der entlehnte Lexik den deutschen Wortbestand andererseits.

Nach der Art der entlehnung sind zu unterscheiden: 1.Sach-und Wortentlehnung; 2. Wortentlehnung. Im ersten Fall, d.h. bei der Sach-und Wortentlehnung, werden fremde Wortköper übernommen, deren Sachverhalte in der betreffenden Sprache neue oder unbekannt sind. Bei Wortentlehnungen werden fremde Wortkörper übernommen, deren Sachverhalte in der entlehnende Sprache bereits durch heimische Wörter ausgedrückt sind. Es handelt sich hier also vorerst um die Übernahme von Dubletten. Bei genauer Analyse kann man hier einige feinere Unterarten unterschieden, von denen aber vergröbernd Lehnübersetzung und Lehnbedeutung am wichtigsten sind. Bei der Lehnübersetzung (russ калькирование) handelt es sich um Nachbildung der morphematischen Struktur von Fremdwörtern oder fremden Wortgruppen. Lehnbedeutung, wie der Terminus besagt, setzt voraus, daß für ein heimisches Wort die Bedeutung eines Fremdworts übernommen wird.

a) Soziale und linguistischen Ursachen der Entlehnung

Die sozialen Ursachen der Entlehnung ins Deutsche sind in der deutschsprachigen Germanistik eingehend beschrieben worden. Hier ist vorallem das umfassende Werk von F. Seiler zu nennen, einige kleinere Spezialabhandlungen, auf die später eingegangen wird, zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der deutschen Sprache (ältere und neuere) und eine übersichtliche Zussammenfassung der Entlehnung in der Kleinen Enzyklopädie „Die deutsche Sprache“.

Das entlehnte Wortgut im lexikalischen System des Deutschen ist zahlenmäßig sehr bedeutend, was auf die geschichtlichen Besonderheiten der Entwicklung des Landes zurückzuführen ist. Hier sind historische Bedingungen ausschlußreich, die schon aus dem germanischen und frühdeutschen Alter im deutschen Wortschatz bedeutende Spuren hinterlassen hatten, und die spätere Periode der Ausgestaltung der deutschen nationalen Schriftsprache im Zusammenhang mit der Ausgestaltung der deutschen bürgerlichen Nation. Die verlangtsamte Überwindung des Feudalismus die gescheiterte frühbürgerliche Revolution (die Reformation des 16. Jhs) waren die historischen Ursachen für die späte und unvollkommene bürgerliche Entwicklung zur Herausbildung der deutschen Nation. Deutschland blieb im Laufe der Jahrhunderte ein Land der Klein-und Kleinststaaten und geriet infolgedessen in verschiedenen hisorischen Perioden unter den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Einfluß andrerer, höher, entwickelter Länder. Diese sozial-historischen Ursachen geben Aufflußauch über Arten, Wege und Formen der Entlehnungen in verschiedenen Perioden der deutschen Geschichte. Entscheidend für das Schicksal der übernommenen Lexik ist ein Zusammenwirken konkreter historischer Umstände. Es gibt aber einige Gesetztmäßigkeiten, die sich aufgrund der Zusammensetzung des gegenwärtigen deutschen Wortbestandes formulieren lassen.

In erster Linie sind im lexikalischen System des deutschen Entlehnungen verwurzelt, die Sach-und Wortentlehnungen waren und Sachverhalte einer höheren Entwicklungsstufe repräsentieren, aud der sich eines der kontaktierenden Völker in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht befand.

Das zeigt der erste Schicht der lateinischen Entlehnungen in die westgermanischen Sprachen. Zur Zeit der ersten Berührung der alten Germanenmit dem Römischen Reich lebten sie in der Gentilordnung, während dieRömer gerade dem Höhepunktin der Epoche der Sllaverei erreicht hatten. Entlehnungen aus diesem Zeitalter waren deswegen Wörter, die Begriffe einer höher entwickelten materiellen Welt repräsentieren. Ein ähnliches Bild bieten lexikalische Entlhnungen aus dem Lateinischen und Griechischen ins Frühdeutsche im Zusammenhang mit der Christianisierungder Germanen seit dem 5. Jh, insbesonders im 7.und 8. Jh., als im ewstlichen die deutschen Stämme christianisiert wurden.

Die dritte starke Schicht lateinischer Entlehnungen ins Deutsche erfolgte im Zeitalter des Humanismus (14.-16. Jh). Die Orientierung an den antiker Sprache , vor allem an dem klassischen Latein dieser Zeit, macht sich auf vielen Gebieten bemerkbar (im Fachwortschatzdes Buchdrucks, der Musik, des staatliches Lebens, des Rechtwesens, der Kirche) aber insbesondere im Wortschatz der Universitäten und der höheren Schule.

Soziale Faktoren waren in der geschichtlichen Entwicklung Deutschland bestimend für starke Entlehnungen aus dem Französischen. Hier wären drei solche Perioden zu nennen.

Die erste erfolgte im Mittelalter (von 12. bis 14. Jh) im Zusammen hang mit dem Einfluß des französischen Rittertums. Entlehnungen aus dem Altfranzösischen (Gallizismen) waren dementsprechend sozial beschränkt; siewaren zwar Sach-und Wortentlehnungen, repräsentierten aber Kultur, Lebenshaltung und höfisches Leben nur ein Standes-des Rittertums und der mittelchochdeutschen Ritterliteratur, vor allem der höfischen Dichtung. Ihr Einfluß auf den den deutschen Wortschatz war deshalb vorübergehend, denn die Mehrzahl davon wurde mit dem Untergang des Ritterstandes abgestoßen. Geblieben sind von den französichen Entlehnungen dieser Periode Wörter, die mehr oder weniger allgemeine Begriffe ausgedrückten,und Bezeichnungen aus Sonderbereichen, die entweder als Historismen im Wortbestand gelieben sind, oder bis heute Bennenungen akuteller gegenstande.

Die zweite starke Entlehnungsschicht aus dem Französichen bildete sich gegen Ende des 16. und 17. Jh. Die sozialen Ursachen für diese Entlehnungen sind im Einfluß des französichen Absolutismus auf die herrschenden Klassen, den Adel und das Patrizitat, zu suchen. Diese Periode der beispiellosen Nachfächung von französischen Modetorheiten ist in die Geschichte als „Alamodezeit“ ein gegangen und umfaßt einen reichen Wortschatz aus verschiedesten Bereichen.

Die dritte Entlehnungsschicht aus dem Französischen war eine Folge der Französischen bürgerlichen Revolution, die den deutschen politischen Fachwortschatz entscheidend beeinflußte.

Entlehnungen aus dem Italienisch waren nicht so zahlreich wie aus dem Französichen. Sie umfassen zwei historische Abschnitte. Der erste davon (vom 14.bis 16. Jh) brachte Entlehnungen, die mit den engen Handelbeziehungen Süddeutschlands mit Oberitalien verbunden waren: Bank, Konto.

Der zweite Abschnitt (17.-18.Jh) führte fast ausschließlich Fachwörter der Musik.

Entlehnungen aus dem Englichen traten besonders gegen Ende des 18. und im 19. Jh. auf. Die geschichtliche Voraussetzung für die englischen Entlehnungen dieser Periode bildet der Einfluß Englands bzw Großbritanniens als führende Industrie-und Kolonialmacht.

Seit dem Beginn des 20. Jhs., besonders nach dem zweiten Weltkrieg sind Entlehnungen aus dem amerikanischen Englisch bzw aus der amerikanischen nationalen Variante der englischen Sprache zu verzeichen.

Entlehnungen aus slavischen Sprachen sind in der Vergangenheit nur in geringen Umfang in den deutschen Wortbestand eingegangen.Auch hier kannman von drei Entlehnungsperioden sprechen. Die erste umfaßt die ältere Zeit, 11. bis 14. Jh.Die geschichtlichen Voraussetzungen dieses Lehngutes sind einerseits die deutsch-polnischen Handelsbeziehungen und andererseits die Ausdehung des deutschen Siedelgebiets über die Elbe-Saale-Linie nach Osten. Entlehnungen aus dieser Periode sind Bezeichnungen von Handelsobjekten, Lebensmittel. Die Entlehnungen der zweiten Periode umfassen die Zeit von 17. bis 19.Jh und beruhen teis auf dem Einfluß der russischen Literatur, teils auf der Übernahme bestimmter Gegenstände (Sach-und Wortentlehnungen)

Die Entlehnungen der dritten Periode erfolgten aus dem Russischen nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution besonders zahlreich nach 1945 im Zussammenhang mit dem Aufbau des Sozialismus in der DDR.

Linguistische Ursachen der Entlehnungen werden in der einschlägigen Literatur nur flüchtig und sporadisch gestreift. Aber einige interessante Beobachtungen liegen aufgrund der französischen Entlehnungen ins Deutsche bereits vor.

Zur linguistischen Ursache allgemeiner Art gehört der heweilige Entwicklungsstand des semantischen Systems einer entlehnenden Sprache. Linguistische Gründe liegen vor bei der Entlehnung von Fremdwörter zur terminologischen Verwendung. Entlehnungen dieser Art monosemieren das entlehnte Wort, d.h es wird nur eine lexisch-semantische Variante des Lexems entlehnt, was die Eindeutigkeit des Terminus in einem neuen lexikalisch-semantischen System sichert.

B) Die Einwirkung der puristischen Tätigkeit aus den Wortbestand des Deutschen

Unter Purismus versteht man eine Bewegung für Sprachreinigung oder Fremdwortbekämpfung.

Obgleich diese Erscheinung in vielen europäischen Sprachen bekannt war, ist ihrVerlauf in deutschlanddurch eine besondere Itensität und Zeitdauer gekennzeichnet. Die Ursachen der puristischen Tätigkeit sind, wie bei jeder sozialen Erscheinung, konkret historisch zu verstehen. Das ist der Grund, ewshalb die sowjetische Germanistik im deutschen Purismus macht zwischen 1. dem fortschrittlichen oder progressiven Purismus des 17. und 18. Jhs. und 2. reaktionären Purismus des 19. und 20. Jhs. Der Purismus des 17. und 18. Jhs war Ausdruck des Kampfes um die Stärkung der deutschen Nationalsprache. Westeuropäische Vorbilder nationaler Sprachpflege und Literatur, insbesondere die FlorentischeAkademie der Kleie (Accademia della Crucsa, 1582) war für ieForm der deutschen Sprachgesellschaften bestimmend, die sich mit sprachregelnder Tätigkeit zu befassen begannen. Im Laufe des 17-Jhs. wurden zahlreiche Sprachgesellschaften gebildet.Die erste und bedeutendste von ihnen war die 1617 in Weimar gegündete Fruchtbringende Gesellschaft [плодоносное общество] (später Palmenorden genannt),aus der alle übrigen Vereine dieser Art hervorgingen. Zur Fruchtbringenden Gesellschaft gehörten Fürsten und Adelige und später auch Bürgerliche.In den drei Jahreszeiten seines Bestehens hatte die bedeutendsten Zeitgenossen zusammengeführt, unter denen in erster Linie zu nennen sind: Martin Opitz, August Buchner, Georg Philipp von Harsdörferr und andere.

Das Programm der Fruchtbringende Gesellschaft zielte im Grunde auf die Festlegung einer schriftsprachlichen Norm. Der Einfluß dieses Sprachvereins machte sich in der Tatsache geltend, daß auch in anderen, geistig unsd wirtschaftlich bedeutenden Zentren Deutschlands Sprachgesellschaften entstanden: die Aufrichtige Gesellschaft von den Tannen [Настоящее общество ели] in Straßburg (1633), die Teutschgesinnte Gesellschaft in Hamburg unter Leitung Philipp von Zessens (1643), der Hirten-und Blumenorden unter Georg Philipp von Harsdörferr und Johann Klaj, der Elbschwanenorden [Орден лебедя на Эльбе] (1656) die Deutschübende Poetische Gesellschaft in Leipzig (1717), die 1727 unter Ch-Gottsched den Namen „Deutsche Gesellschaft“ erhielt.

Unter den Puristen des 17.Jhs kennzeichnet sich insbesondere die sprachreinige Tätigkeit Harsdörferrs, Zessens und Schottels. Die sprachlichen Leistungen der deutschen Sprachgesellschaften des 17.Jhs waren nicht bedeutend. Bleibende Erfolge wurden nur auf dem Gebiet der poetischen und der grammatischen Theorie erzielt. Das lag nicht nur am Fehlen der Sprachtheorie, sondern auch an besonderen wirtschaftlich-politischen Verhältnissen, unter denen die Entwicklung der nationalen Schriftsprache der bürgerlichen Nation in Deutschland verlief: Nach dem Dreißigjahren Krieg wurde die Macht der Fürsten gestärkt, die feudale Zersplitterung Deutschlands vertieft und die bürgerliche Entwicklung des Landes gehemmt. Aber ungeachtet der verhältnismäßig geringen Leistungen der Sprachgesellschaften des 17. Jhs. Wäre es falsch, ihre Rolle im Kampf um die nationale Schriftsprache zu unterschätzen. Die Fremdwörterei, die Vorherrschaft des Latein und des Französischen in dieser Zeit wurde von der Tätigkeit der Sprachgesellschaften stark angegriffen, das nationale Bewußtsein geweckt. Der Purismus des18. Jhs ist mit der sprachpflegerischen Tätigkeit Joachim Heinrich Campes verbunden. Campe (1746-1818) war als Erzieher, pädagogischer Schriftsteller und Übersetzer tätig. Im Jahre 1801 erschien Campes „Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke“ (6 Teile bis 1804), woraus in den Jahren 1807-1812 eine zweite, stark erweiterte Auflage folgte.

Campes Purismus entwickelte sich völlig unter dem Banner der Aufklärung undunter dem großen Einfluß der französischen Revolution von 1789. Davon zeugen sowohl der Zweck des Verdeutschungswörterbuchs, wo Campe es sich vorstellte, als auch die Art der Verdeutschungen selbst. Der reaktionäre Purismus des 19. und 20 Jhs hat im deutschen Wortbestand beträchtliche Spuren hinterlassen. Gerade von diesem Purismus darf man eben sagem, daß er auf den deutschen Wortbestand in bedeutendem Maße eingewirkt hat.

C) Elemente der Systemhaftigkeit in den Wechselbeziehungen zwischen Stammwörtern und Entlehnungen

Probleme der Wechselbeziehungen zwischen Stammwörtern und Entlehnungen gehören zu den neuen Aspekten der modernen Wortforschung. Die ältere Linguistik mit ihrer atomaren Betrachtung des Wortschatzes beschränkte sich bei der Erforschung des entlehnten Wortgutes lediglich auf die Feststellung der Entlehnungen und Prozesse ihrer formellen und semantischen Asimilation. Das System der entlehnenden Sprache bestimmt ebenfals eine auf verschiedenen Entwicklungsstufen des deutschen Wortbestandes belegte Regelmäßigkeiten: Entlehnt wird nicht die ganze semantische Strucktur, eines Lexems, fals es mehrdeutig ist und somit eine Einheit von lexikalisch-semantischen Varianten darstellt, sondern nur einige oder eine davon. Diese Erscheinung, die in verschiedenen Arbeiten unter verschiedenen terminologischen Bezeichnungen beschrieben wurde, zeitigte besonders interessante Ergebnisse aufgrund der Erforschung formal ähnlicher, aber semantisch abweichender Wörter, die in verschiedenen Sprachen als Entlehnungen aus einer quelle fungieren und in der sowjetischen Linguisitik unter dem Namen „falsche Freunde des Übersetzers [ложные друзья переводчика], auch „zwischensprachliche Homonyme [межъязыковые омонимы] oder „zwischensprachliche Analogismen [межъязыковые аналогизмы] bekannt sind.

Von besonderem Interesse sind sie deswegen, weil sie als Entlehnungen aus ein und derselben Sprache eine potentiel identische Ausgangsform besitzen. In verschidene lexikalisch-semantische Systeme versetzt, weisen sie eine unterschiedliche Entwicklung auf. Unter semantischer Selbständigkeit einer Entlehnung wird die Aufhebung der Dubletten-Beziehung in den synonymischen Paaren Fremdwort-Stammwort verstanden. Die Entwicklung der semantischen Selbständigkeit ist die wichtigste Vorraussetzung für die Einbürgerung eines Fremdwortes im Wortbestand der entlehnenden Sprache, denn die semantische Selbständigkeit manifestiert die Tatsache, daß das betreffene Fremdwort im lexikalisch-semantischen System sein Platz einnimmt.

Die semantische Selbständigkeit bedeutet nicht bloß eine Einführung des Fremdworts in ein neues lexikalisch-semantisches System, sondern setzt Wechselbeziehung desselben mit elementen dieses Systemen voraus. Dementsprechend ist der Prozeß der Auseinanderentwicklung des Fremdworten von seiner Entsprechung eine vielseitige Diffenzierung. Wie die Differenzierungsprozesse verlaufen undwelche Diffenzierungsart eintritt, eine semantische, funktional-sitlistische oder beides bestimmt das lexikalisch-semantische System. Dabei können Prozesse, die die Entstehung der semantischen Selbständigkeit bewirken, mehrstufig sein und die Folge eines Zusammenspiels von sozialen und linguistischen Faktoren darstellen.

Als die Folge der semantischen Selbständigkeit der Entlehnungen tritt die formelle Assimilation ein d.h eine Anpassung in Lautung, Schreibweise, Formenbildung. Die vollständige formelle Assimilation kann auch ausbleiben. Die Abhängigkeit der anderen Assimilation von der lexikalisch-semantischen zeigt sich auch darin, daß der strukturelle Faktor nicht selten durch den semantischen überspielt wird.

Unsere kurze Betrachtung der Systemhaftigkeit in den Wechselbeziehungen zwischen Stammwörtern und Entlehnungen läßt sich zusammenfassend folgenderweise formulieren:

  • Bei Einführung der Entlehnungen in ein neues lexikalisch-semantisches System wird die semantische Struktur der Fremdwörter nur teilweise entlehnt. Die semantische Struktur oder das Bedeutungsgefüge der Fremdwörter wird reduziert.
  • In einem neuen lexikalisch-semantischen Systemzeigen Fremdwörter eine Tendenz zur Erweiterung ihrer semantischen Struktur.
  • Die Entwicklung der semantischen Selbständigkeit einer Entlehnung ist entscheidend für ihre Einbürgerung in ein neues System.
  • Alle anderen Abwandlungen und Prozesse, denen Entlehnungen beim Funktionieren in einem neuen lexikalisch-semanitschen System unterliegen, sind sekundäre folgen der semantischen Selbständigkeit.
  • Die Wortschatzbereicherung durch die Entlehnung besteht nicht nur in der quantitativen Erweiterung des Wortbestandes, bei der Wörter entlehnt werden, die neue Gegenstände und Erscheinungen bezeichnen.

Об авторе

Натаров Илья

Натаров Илья

Родился 09 апреля 1980 года в городе Баку, в этом же году переехал в Запорожье.
В 2003 году закончил Запорожский Государственный Университет и получил диплом преподавателя немецкого языка и немецкой литературы.

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